
Auch nicht wirklich leicht, über den eigenen Mann zu schreiben, denn im Idealfall liest er das ja sogar.
Ich fange mal vorne an, da muss ich ein bisschen in meinem Hirn nach hinten blättern, aber ich hoffe, Sie haben etwas Zeit:
1996: wir tragen alle noch weite Jeans und dicke Pullis, wir besitzen keine Handys, Tablets oder Iphones; von Bluetooth, Wlan und Facebook haben wir noch nichts gehört. Wir telefonieren mit Festnetztelefonen, die so verwirrte Kabel haben, dass wir 30 cm neben der Buchse hocken (also ich zumindest), wir gehen raus und haben soziale Kontakte, der erste PC steht beim ALDI und Modems machen noch grrchhhh grrchhhh wenn Sie sich einwählen.
Ich studiere in Frankfurt Lehramt für Haupt- und Realschulen, habe gerade einen wunderbaren Rucksack Urlaub in Thailand und Malaysia hinter mir und alle Männer können mich mal. Einfach gerade mal keinen Bock auf diese Ego zentrierten, Geschlechtsteil orientierten und Alkohol fixierten männliche Wesen.
Tja, diese Rechnung habe ich ohne meinen Mann gemacht, den lernte ich in der Mensa kennen und wir gingen ab und zu mittags in der Mittagspause essen, auch mal häufiger, trafen uns auch mal privat und so kam halt doch eines zum Anderen und ich zu einem neuen Partner, der bis heute mein Letzter sein sollte.
Wir zogen zusammen, stritten, vertrugen uns, gingen in die ersten Jobs, zogen um, heirateten, bekamen Kinder, stritten und vertrugen uns. Stellten alles in Frage, fingen neu an, zogen um, stritten und vertrugen uns,…..Sie kennen das, oder?
Unterm Strich bleibt übrig, dass ich diesen Mann wahnsinnig schätze und er mich wahnsinnig macht. Ich ihn liebe und umbringen könnte. Ich dankbar bin für so viele Lacher und Tränen. Ich staunend unsere Kinder betrachte und ich immer wieder 1996 in die Mensa gehen würde, um ihn kennenzulernen.
Er ist mein perfekter Spiegel, zeigt mir meine dunklen Flecken und ebnet mir den Weg der Selbsterkenntnis. Mit Liebe, mit Wut, mit Freude, mit Trauer, mit allen meinen Gefühlswelten heißt er mich willkommen.
Das ist mal leicht und mal schrecklich. Es ist!
Doch dazu mehr in anderen Texten, Sie dürfen neugierig sein.