Über mich.

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Ich.

Nun ja, nicht ganz so leicht über sich selbst zu schreiben, aber wir werden uns ja im Laufe der Seiten kennenlernen. Letzten Sommer bin ich von Frankfurt (das am Main, nicht an der Oder) in die Rhön gezogen. Ich einen kleinen Ort, naja, in einen sehr kleinen Ort. Hier lebe ich mit zwei Kindern, einem Mann (das reicht völlig), einem Hund und einem Vogel (das sollten mehr sein). Sie denken es sich? Ja, das ist nicht immer ganz so leicht. Wenn Sie es gewohnt sind, in Laufweite (also mit den Füßen) mindestens vier verschiedene Supermärkte zu erreichen, Sie sich kaum entscheiden können, in welche Apotheke, Bäcker oder Drogerie Sie gehen, nun dann finden Sie hier: nüschts! Nun gut, wir haben einen Bäcker und eine Tankstelle, ach, ja, einen süßen kleinen Laden mit Pralinen, Tees und Kräutern. Aber das wars dann auch. Obwohl, wir haben eine Grundschule, zwei Kirchen, zwei Schlösser und einen riesigen Pferdehof. Und eines noch: wir haben keine Chance uns zu verstecken! Willkommen auf dem Dorf!

Ich schweife ab (Sie werden merken, das passiert mir häufiger), also ich: Ich habe mehr als die Hälfte meines Lebens in Frankfurt gewohnt, habe nach dem Abi in einer verschlafenen mittelgroßen Industriestadt mein Bündel geschnürt und ein 9 qm Zimmer in einem Studentenwohnheim bezogen. Ich traute mich kaum Auto zufahren, geschweige denn einen Parkplatz zu suchen. Navis gab es nicht und so irrte ich auch schon mal ne Stunde durch die City, um die Zeil (Haupteinkaufszone) zu finden. Ich fand sehr schnell einige wenige, aber dafür großartige Freundinnen. Genaugenommen waren es zwei. Innen drin war ich immer noch klein, so klein wie meine mittelgroße Industriestadt und doch wohnte ich nun im großen Frankfurt. Ich tat was alle um mich herum taten: so tun, als fühlte ich mich ganz groß und so tun, als würde ich studieren. Ich organisierte mir einige gut bezahlte Jobs, hielt mir auf der IAA und Buchmesse die Männer vom Leib und zeigte in der Alten Oper den Konzertgästen die Klos (und natürlich auch die Sitzplätze). Ich hatte viel Zeit und Spaß und genoss mein Leben, was war ich cool. Ich zog aus dem Wohnheim in eine kleine und feine zwei Zimmerwohnung und arbeite also noch mehr. Vorlesungen und Seminare wurden mir ziemlich fremd, ich verdiente mittlerweile  gut in einer Marktforschungsagentur und so überlies ich die Uni, den neuen Wilden, die aus mittelgroßen Städten nach Frankfurt zogen.

Ich lernte meinen Mann kennen (dazu später mehr), bekam zwei Kinder (AU!) und arbeitete Teilzeit immer noch in der Marktforschung. Hätte alles so weiter gehen können, zwischen Windeln, PEKIP, Job, Haushalt, Hugo mit den Mädels trinken und dem Mann.

Gings aber nicht…Der Wunsch nach Spuren, die wir hinterlassen, nach Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit und Frieden nagte wie ein kleines, fieses Eichhörnchen an mir. Ich bekam Zweifel, hinterfragte Inhalte, störte mich an Lästereien und suchte. Ich wusste nicht was ich suchte, aber ich wurde unbequem, ich verlies mein Sofa, die Medien, die meisten meiner Freunde, fast meinen Mann und ging erstmal nach Indien. Mein erster Befreiungsschlag! Das zweite Kind konnte kaum laufen, wir waren gerade in eine größere Wohnung gezogen, lies ich meinen Mann ohne Küche, auf Kartons sitzend mit zwei Kindern zwei Wochen allein.

Ich kam wieder. Ich machte weiter, wusste auf einmal, dass es da draußen so viel mehr gibt, als wir zunächst wahrnehmen. Ich suchte weiter, wollte bewusster leben, essen, lieben, sprechen. Die Freunde veränderten sich weiter. Ich wurde stiller, tiefer. Rückblickend lief ich in die Depression. Ich suchte weiter und fand einen großartigen Lehrer, bei dem ich eine zweijährige Ausbildung in Trauma- und Körperheilung in Freiburg absolvierte. Da war wieder ein bisschen Licht, aber hell war das noch lange nicht. Wir beschlossen, die Stadt zu verlassen, die Autos, den Lärm, die Enge, die gespielte Freundlichkeit. Wir zogen in die Rhön! Und dann ging es eigentlich erst los…

 

 

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