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Allgemein
Erster Zweifel.
Warum ich mit einem Zweifel und ohne Kaffee im Auto sitze
Kennen Sie solche Momente?
Diese Momente, wenn der Zweifel sich einen Weg bahnt? Wenn er aus den tiefen seines Winterschlafes sich reckt und streckt und seinen Kopf erhebt? Meine Zweifel über meine Entscheidung mit meiner Familie aus Frankfurt am Main nach Hohenroda in der Rhön zu zuziehen war sehr bald nach unserem Umzug und ich hatte ihn im Tegut. Wissen Sie, wenn Sie aus einer Großstadt mit gefühlten zehn Supermärkten in 10 minütiger Laufweite, Bäckereien und Apotheken an jeder zweiten Ecke, Schulen, Kindergärten, Erdbeerständen und Kaffee to go Verkäufern kommen, dann finden Sie in Hohenroda……nichts.
In unserem Ort gibt es einen Bäcker. Punkt. O.K., eine Pizzeria, eine Tankstelle mit Öffnungszeiten wie die amerikanische Botschaft und einen Schreibwarenladen. Jetzt aber Punkt.
Nun müssen aber selbst wir Nahrung zu uns nehmen, auch in Hohenroda, wenn ich also heute zu meinen Kindern sage: Ich geh mal schnell einkaufen. Vermittle ich ihnen ein völlig falsches Zeitgefühl und einen absolut inkorrekten Umgang mit dem Wort „schnell“. Viel mehr bin ich zu dem Sprachgebrauch der Ehrlichkeit übergegangen: „Ich bin mal ne Stunde weg.“ Ob ich in der Zeit zum Friseur gehe oder die vergessene Milch hole, ist diesen kleinen Menschen ja nun egal.
Apropos Milch: ich wollte ja die kleine Geschichte eines klaren Moments des Zweifels in meinem Leben berichten.
Also, ich fand einen Tegut. Dazu muss man sagen, dass das für mich wirklich eine große Sache war, denn dort gab es in EINEM Geschäft, viele der Lebensmittel unseres Alltages, zugegebenermaßen fällt mir das beim Discounter schwerer.
O.K. ich bin also im Tegut und fülle entspannter Art und Weise meinen Einkaufswagen (ich dachte ja, hier auf dem Dorf haben die noch nicht die unsäglichen –ich-muss-erst- einen-Euro-wechseln- Wagen. Doch, haben sie.)
Beim Bezahlen an der Kasse erspähe ich über die Kassenschranke hinweg einen kleinen Bäcker mit ein paar Sitzen zum Kaffee trinken. Herzlichst, jetzt für den Heimweg (man ist ja nun ein Stück unterwegs) einen schönen Cappuccino. Gesagt, getan. Einkäufe bezahlt, den –ich-muss-erst-einen-Euro-wechseln-Wagen Richtung Kaffee geschoben und sich an die nicht vorhandene Schlange (absoluter Vorteil des auf dem Landlebens) angestellt und einen lactosefreien Cappuccino to go bestellt. Lächelnd. Freudig. Stille. Kennen Sie diese Stille? Wenn alles stillsteht? Wenn ein ganzer Saal sie pikiert anschaut, weil Sie in die plötzlich endende Rede eine fiese Zote über den Redner ablassen? Diese Stille, wenn Sie im Großraumbüro versuchen leise zu pupsen und es nicht klappt?
In dieser Stille stand ich am Tresen der Bäckerei im Tegut auf dem Land. „Hammer net.“ Erlöste die Stille.
Ja, ich bin eine fiese, kleine, verwöhnte Großstadt Göre, die ihren Cappuccino mit laktosefreier Milch trinkt, weil sie sonst nicht mehr vom Klo kommt. (man ist ja hier ein Stück unterwegs.) „Äh, OK, dann bitte einen Kaffee zum mitnehmen.“ „Deggel sinn all.“ „Äh, OK, das macht nichts, ich nehme den Becher auch ohne Deckel.
So hockten wir dann im Auto, der Zweifel, der Kaffee und ich.